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ANT-MAN MARVEL Kleiner Superheld, ganz viel Herz

von Anne Zarnecke am 11. Juli 2015

Marvel's Ant-Man Scott Lang/Ant-Man (Paul Rudd) Photo Credit: Zade Rosenthal © Marvel 2014ANT-MAN MARVEL

Jeder kennt sie: Batman, Superman oder auch Wolverine. Egal ob von billigen Primark-Modelinien oder den gleichnamigen Filmen. Aber wer ist Ant-Man? Comic-Fans wissen die Antwort bereits, der Rest stellt sich grade eine Ameise mit Superheldencape vor. Schon nah an der Wahrheit, jedoch nicht so ganz richtig. Wir haben schon einmal einen Blick auf den neuen Marvel-Film geworfen und Ameisen ins Herz geschlossen.

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass auch mir als Marvel-Fan Ant-Man bis vor kurzem noch unbekannt war. Bei insgesamt ca. 7.000 Marvel-Charakteren kann man aber auch schon mal den Überblick verlieren.

Am 23. Juli ist es bei uns soweit, da können wir den kleinen Mann auf der großen Leinwand betrachten. Seinen ersten Auftritt hatte der Superheld jedoch schon im Jahre 1962 als Comic. Die Bezeichnung Ant-Man bezieht sich jedoch nicht wirklich auf eine Person. So war der erste Ant-Man Dr. Hank Pym. Der Doktor entwickelte ein Serum, mit dessen Hilfe man Lebewesen schrumpfen kann. Er entwickelte auch den Anzug des kleinen Helden. Im Film übernimmt kein geringerer als Michael Douglas die Rolle des wissenschaftlichen Genies. Dieses hat inzwischen die Rolle des Ant-Man fallen gelassen. Durch eine neue Entwicklungen sieht Hank jedoch die Welt in Gefahr. Er beginnt seine Suche nach einem würdigen Nachfolger, der die Rolle des kleinsten Superhelden der Welt zukünftig übernehmen kann. Dabei stößt er auf Scott Lang, einen Ex-Knacki, der wegen Diebstahls im Gefängnis saß. Eine ungewöhnliche Wahl für jemanden, von dem die ganze Welt abhängt.

Marvel's Ant-Man L to R: Hank Pym (Michael Douglas) and Darren Cross (Corey Stoll) Photo Credit: Zade Rosenthal © Marvel 2014Zu einem Helden gehört natürlich immer das entsprechende Gegenstück. Haben wir einen Superhelden, muss es irgendwo da draußen auch den passenden Schurken geben, der die Pläne des Protagonisten durchkreuzen will. Durch Gott-Komplexe und eine schwere Kindheit endet das Ganze dann meist in dem Wunsch, die Welt zu zerstören. Dieses Gegenstück spielt hier Corey Stoll (z.B. „House of Cards“), der in Ant-Man die Rolle des ambitionierten Darren Cross übernimmt. Dieser ist, nachdem Dr. Pym sich entschied, seine eigene Firma zu verlassen, der neue Chef der mittlerweile umbenannten „Cross Industries.“ Noch ist die Geschichte des Ant-Man ein Mythos, ein Geheimnis, dass Hank Pym mit in sein Grab nehmen wollte. Denn wie Onkel Ben uns schon vor einigen Jahren in Spiderman verriet: „With great power comes great responsibility.“

Darren Cross ist nahezu besessen von der Idee, eine Armee winzig kleiner Superhelden zu kreieren. Diese sollen im Kampf die Oberhand gewinnen und damit jede andere Macht bezwingen. Denn wer kann schon gegen etwas kämpfen, dass er überhaupt nicht sieht? Durch die Einnahme des Schrumpf Serums verliert zwar man an Größe, behält aber seine Kraft. Eine gefährliche Kraft, die nicht in die Hände von machthungrigen Menschen wie Darren Cross gehört. Das weiß auch Dr. Pym.Marvel's Ant-Man Scott Lang/Ant-Man (Paul Rudd) Photo Credit: Zade Rosenthal © Marvel 2014

Superhelden-Film trifft Heist

Obwohl Marvel stets für Nachschub bei den Superhelden-Filmen sorgt, ist man bemüht, diese nicht eintönig zu gestalten. So enthält jede Verfilmung ihr eigenes Sub-Genre. Das macht Sinn. Denn so unterschiedlich wie die Filme sind auch die Comics. Da hätten wir einen Science-Fiction Film (Guardians of the Galaxy), Technologie-Thriller (Iron Man 3) oder auch den Fantasy-Film (Thor). So stellt Ant-Man das Superhelden-Heist-Pendant dar und diese Mischung geht gut auf.

Obwohl der Film auch seine dramatischen und teils sogar traurigen Szenen hat, verfügt er auch über jede Menge Humor. Ich bin generell eher Verfechter der etwas ernsteren Comic-Verfilmungen, hier geht die Formel jedoch auf. Dieser humorvolle Part gehört vor allem dem neuen Ant-Man Scott Lang, gespielt von Paul Rudd (z.B. „Immer Ärger mit 40“). Wenn auch in einigen Szenen etwas überspitzt, hat mich die Situationskomik oft zum Lachen gebracht und das Klima etwas aufgelockert. Denn Ant-Man ist, ähnlich wie „Deadpool „oder „Guardians of the Galaxy“, kein Superhelden-Universum, das von seiner Dramatik lebt. Es wäre jedoch kein Marvel-Film, würde es da nicht diese finstere Bedrohung geben.

Die Geschichte von Dr. Hank Pym und seiner Tochter Hope (Evangeline Lilly, z.B. „Der Hobbit“) könnte man als „dramatischen Mittelpunkt“ des Films bezeichnen. Bei unseren Superjelden geht oft um die Familie und deren Sicherheit. So ist auch der Antrieb für Scott Lang, die Rolle des neuen Ant-Man zu übernehmen, das Wohlergehen seiner Ex-Frau und seiner Tochter.

Hank Pym und Scott Lang sind sich in vieler Hinsicht sehr ähnlich. So haben beide eine Familie die sie beschützen wollen, durch ihre problematische Vergangenheit müssen sie jedoch erst deren Vertrauen zurückgewinnen. Wir haben hier also nicht das typische Superhelden-Verlangen, die komplette Welt zu retten, sondern einen sehr menschlichen Antrieb: Den Schutz der Familie.

Marvel's Ant-Man Scott Lang/Ant-Man (Paul Rudd) Photo Credit: Film Frame © Marvel 2015

Die Kunst des Schrumpfens

Für mich das größte Highlight des Films ist und bleibt der Wechsel zwischen den Normal- und Makroaufnahmen. Diese Idee ist natürlich nicht neu. Egal ob bei dem 1957 entstandenen „Die unglaubliche Geschichte des Mister C.“ oder 1989 bei „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft.“ Solche „Schrumpf-Filme“ sind immer sehr aufwendig. Während man früher große Requisiten baute, um die Schauspieler am Set kleiner wirken zu lassen, spezialisiert man sich heute mehr auf die Technik. So wurden am Ant-Man-Set Makro-Aufnahmen spezieller Filmkameras zusammen mit Makrofotografien und der Motion-Capture-Technik benutzt. Eine Herausforderung für die Schauspieler, die zeitweise einfach in einem leeren Raum standen und wild um sich boxten. Anstatt riesige Requisiten zu bauen, schuf man hier für jedes Set eigene Miniaturen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Scott Lang springt durch Teppichfasern, fliegt auf gigantischen Ameisen und kämpft auf einer Spielzeug-Eisenbahn um sein Leben. So seltsam sich das alles anhört, das Ergebnis sind meiner Meinung nach revolutionäre Kampfszenen. Der Wechsel zwischen den Normal- und Makroaufnahmen ist so flüssig, dass atemberaubende Bilder entstehen. In einem Moment sieht man, wie Ant-Man fast von einer riesigen Eisenbahn überfahren wird, Explosionen knallen und Laser fliegen durch die Luft. Im nächsten Frame sieht man das Ganze aus menschlicher Sicht, eine kleine Plastikeisenbahn fällt von den Gleisen, von den riesigen Laserstrahlen sieht man nur noch kleine Blitze. In der Makroaufnahme entsteht ein epischer Kampf, der in der Normalansicht wie ein Remake von Toy Story erscheint.Marvel's Ant-Man L to R: Ant-Man/Scott Lang (Paul Rudd) and Cassie (Abby Ryder Fortson) Photo Credit: Zade Rosenthal © Marvel 2014

Fazit

Regisseur Peyton Reed schafft es mit Ant-Man, einen klassischen Heist-Film und einen altbewährten Marvel-Superheldenfilm zu vereinen. Einen kleinen Makel habe ich dennoch gefunden: Während die Vorgeschichte von Scott Lang, Hank Pym und seiner Tochter schön beschrieben und die Charaktere gut vorgestellt werden, fehlt das bei Darren Cross leider ganz. Für mich zählen die Schurken in Filmen zu den wichtigsten Charakteren, denn auch hinter ihrer Entwicklung steckt meist eine Geschichte. Sie werden nicht ohne Grund so wie sie sind. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr emotionalen Tiefgang gewünscht. Nichtsdestotrotz habe ich den kleinen Ameisenmann ins Herz geschlossen und freue mich auf seinen nächsten Auftritt, denn dieser wird bestimmt kommen (kleiner Tipp: Hank Pym war einer der ersten Avenger). Bis dahin werde ich wohl noch ein bisschen in den Comics lesen und versuchen, die Ameisen im Garten mit meinen Gedanken zu kontrollieren.

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Noch ein kleiner Tipp: UNBEDINGT bis ganz zum Schluss sitzen bleiben! Wie immer hat Marvel einen kleinen Teaser auf die kommenden Filme eingebaut, auch Ant-Man wird dort eine kleine (haha) Rolle spielen. Also schön sitzen bleiben und sich schon mal auf das Kommende freuen.

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Irgendwas mit Videospielen, Musik und Comics. Bärte sind die besseren Menschen.
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