CITIES: SKYLINES

Frischer Wind im Genre mit CITIES: SKYLINES

CITIES: SKYLINESSeit dem SimCity-5-Skandal im Jahre 2013 tragen sowohl das Genre als auch der Publisher Electronic Arts und Entwickler Maxis dicke Narben mit sich. Während die ersten Teile als Mitbegründer des Aufbau-Strategie-Genres stehen, stand der fünfte Teil eher für deren Untergang.

Server-Fehler, überteuerte DLCs, ständiger Online-Zwang und ein Wucher-Preis. Und plötzlich kommt Colossal Order, klopft Maxis selbstgefällig auf die Schulter und nimmt den leeren Thron für sich ein. Ein ziemlich trauriger Zufall, dass eine Woche vorher am 5. März Maxis seine Türen für immer geschlossen hat. Schon einen Tag nach dem Release gilt Cities: Skylines sowohl unter Spielern als auch unter Redakteuren als neue Hoffnung des Genres. Und ich kann sagen: zu Recht.

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SimCity macht den Thron frei

Einerseits bewunderungswürdig, andererseits aber auch traurig, wenn ein recht kleines Entwicklerteam wie Colossal Order einer seit 1997 existierenden Spieleserie gehörig in den Hintern tritt und sie dann auch noch überholt. Traurig ist es, weil das noch einmal klar macht, wie stark SimCity nachgelassen hat. 2005 war die Welt noch in Ordnung, da wurde der vierte Teil der starken Serie veröffentlicht. Alle waren glücklich, es herrschte kein Krieg, alle hatten sich lieb. Umso empörter fiel der Blick dann auf den Nachfolger 2013. Mit den überteuerten (und sinnlosen) DLC-Inhalten von SimCity 5 brach das Zeitalter der Downloadable-Content-Manie aus. Bewundernswert hingegen ist Colossal Order, die mit ihrem in Finnland ansässigen Team solch einen Computerspiel-Titanen vom Thron schubst. Mit dem Sturz ins Fettnäpfchen machen Maxis und Electronic Arts Platz für neue Gesichter, und siehe da: Die machen es sofort besser.

CITIES: SKYLINESFrischer Wind im staubigen Genre

Cities: Skylines macht das richtig, was SimCity 5 falsch gemacht hat und kittet somit die zerbrochenen Herzen der Genre-Fans. Mehr Platz, mehrAuswahl, kein Online-Zwang. Selbst das Modden der Community wird von Anfang an unterstützt durch eigenes Overlay im Startbildschirm. SimCity 5 wirkt da eher wie ein schrecklicher Alptraum, den man so schnell wie möglich vergessen möchte.

Durch den Mod-Support stehen also auch in Zukunft alle Möglichkeiten offen. Denn Colossal Order hat den eigentlichen Wert dieser Community erkannt. Ständig neuer inGame-Content, ohne dabei selbst einen Finger zu rühren. Schon jetzt kann man sich sämtliche Karten und Eigenbauten anderer Spieler runterladen und problemlos in die eigene Stadt einfügen. Im Editor kann man jederzeit seine eigenen Karten und Bauten erstellen und diese ebenfalls einfach auf Steam hochladen. Hat man sich erst einmal ein kleines Städtchen aufgebaut, beginnt die eigentliche Arbeit, die sich jedoch sehr spaßig gestaltet. Ich habe übrigens gleich bei meiner ersten Stadt bewiesen, was für ein totaler Aufbau-Strategie-Vollnoob ich bin. Durch schlechten Bau habe ich schon meine ersten 50 Einwohner mit leckerschmecker Fäkalwasser vergiftet. Damit gebührte mir dann das Achievement „Schlechter Bürgermeister“. Das fand ich dann doch ein bisschen übertrieben.

CITIES: SKYLINESDie Tine Wittler der Aufbau-Strategie

Hier noch zwei Bäumchen, da eine Kurve in der Autobahn und dort packe ich mal eben einen Hundepark hin – oder auch fünf. Hunde gibt es schließlich nie genug. Was Cities: Skylines an Möglichkeiten bietet, ist unglaublich. So kommen zum Beispiel durch den hauseigenen Editor und die Modding-Community völlig neue Gebäude ins Spiel.

Hat man sich erst mal in einer komplexen Stadt (ohne Fäkalwasser) eingefuchst, beschäftigt man sich vorwiegend mit dem richtigen Einteilen der Stadt und Ausbauen der Straßen. Besonders hilfreich ist hier die Fähigkeit, Straßen und Autobahnen übereinander zu bauen. Das sieht nicht nur sehr realistisch aus, sondern hat auch eine richtige Funktion. Durch verschiedene Arbeitsstellen entstehen hier und dort Knotenpunkte in den Städten, in diesen bilden sich Staus, wenn zu viele „Cims“ (I see what you did there, Colossal Order) auf einmal zu diesen Arbeitsstellen wollen. Also entlastet man diese Punkte mit neuen Straßen oder durch eine Autobahn, die dann über die eigentliche Straße führt. Das macht das Ganze komplexer und bietet eine gute Möglichkeit, Platz zu sparen. Obwohl es hier ganz und gar nicht an Platz mangelt. Mit 25 freischaltbaren Kartenkacheln kann man seine prachtvolle Stadt immer mehr in die Breite ziehen. Entgegen der momentan anherrschenden DLC-Politik sind diese sogar vollkommen kostenlos. Obendrauf bietet das „Richtlinien-System“ nochmal das gewisse Maß an Kontrolle über den Verkehr. So kann man festlegen, dass es LKWs nicht mehr gestattet ist, in der Innenstadt zu fahren. Dadurch fahren diese nur noch auf den Autobahnen oder auf anderen Wegen, die auch zum Ziel führen. Das Ganze kann man natürlich auch genau umgekehrt machen, je nachdem wie sehr man seine Einwohner hasst.
Es macht unheimlich Spaß, einfach mal ein bisschen heran zu scrollen und den kleinen Cims bei ihren Tagesabläufen zuzugucken. So hat jeder Cim seinen eigenen Namen, seine eigene Wohnung und seinen eigenen Tagesablauf. Ich habe beispielsweise mehrmals denselben Sim begleitet, während dieser zur Arbeit fuhr, einkaufen oder nach einem harten Arbeitstag nach Hause ging. Das ist eine innigere Beziehung als zu 50% der Menschen, mit denen ich bis jetzt in meinen 20 Jahren Kontakt hatte. Die liebevoll gestalteten Gebäude und stimmige Umgebungssounds machen das Ganze noch ein Stück weit schöner. So erkennt man aus der Nähe liebevoll gestaltete Balkons, Aufschriften auf den Schildern der Läden, Parkplätze und noch so viel mehr. Umso erstaunlicher ist es, dass das Spiel völlig frei von Bildrucklern ist. Lediglich ein Mal ist das Spiel bei mir abgestürzt.

Ein paar Komfortmängel gibt es hier und da jedoch trotzdem. So fehlt mir ein Tag-Nacht-Rhythmus sehr. Nicht, weil dadurch die Glaubwürdigkeit flöten geht, sondern vielmehr weil ich meine Stadt nachts gerne leuchten sehen würde. Durch fehlenden Un- und Redo-Button ist das Abreißen von Gebäuden oft sehr fummelig. So muss ich dann jeden Baum und jedes Straßenteil selbst abreißen statt mit ein paar Klicks die Vorgänge rückgängig zu machen.

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Fazit

Cities: Skylines ist für mich das, was SimCity 5 vorgab zu sein. Ein dicker Pluspunkt ist meiner Meinung allein schon der Preis. Dieser liegt mit 27,99€ bei Steam mehr als im grünen Bereich. Colossal Order zeigt mal wieder, dass die kleinen Studios den großen Triple-A-Entwicklern in keiner Weise nachstehen. Im Gegenteil, immer mehr der besten Spiele kommen aus Indie-Teams oder kleinen Studios. Natürlich wäre es gelogen wenn man sagt, dass das Geld hier keine Rolle spielt. Wie erklärt man sich sonst die verfrüht herausgekommenen Spiele oder die hunderte von kostenpflichtigen DLCs? Das finnische Entwicklerteam liefert hier ein in allen Bereichen abgerundetes Spiel, das zudem eine Menge Abwechslung und Spielspaß liefert. Bitte mehr davon!

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Anne ist Game Design-Student und setzt sich freiberuflich mit der Videospielkultur auseinander. Neben kleineren Indie-Titeln und psychologischen Themen hat es ihr vor allem das Sci-Fi-Genre angetan. Unter @dovahkarian tweetet sie hauptsächlich Fotos von ihren Hunden.