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Comic-Verfilmungen: Whitewashing und Geschlechtertausch

von Anne Zarnecke am 4. Juni 2015

In den vergangenen Jahren wurden wir fast überhäuft mit Superhelden-Filmen. Egal ob Avengers, The Amazing Spiderman oder auch Thor. Für DC- und Marvel-Fans ist eine großartige Zeit angebrochen. Oder vielleicht auch nicht?

Dass bei Verfilmungen jeder Art, sei es ein Comic, ein Buch oder auch ein Spiel, Veränderungen gibt, ist nichts Neues. Was aber, wenn ganze Charaktere und ihre Hintergründe umgekrempelt werden? Neben einer gewissen Anzahl von Menschen, die jede Veränderung offen befürworten, gibt es da auch noch die tiefen, dunklen Ecken des Internets. Comic-Verfilmungen gibt es inzwischen schon sehr lange. Da wäre Arnold Schwarzenegger, der „Meister der Schauspielkunst“, als Conan in „Conan der Zerstörer“ im Jahre 1984 oder Superman im Jahre 1978. Seit es Filme gibt, gibt es also auch schon Verfilmungen unserer Lieblingssuperhelden. Marvel legte in den letzten Jahren noch einmal kräftig nach, zuletzt mit Avengers: Age of Ultron, und plant für den kommenden Sommer die Verfilmung des wohl kleinsten Superhelden: Ant-Man.

Vor Kurzem erst startete die Produktion vom Fantastic Four-Reboot. Bereits 2005 und 2007 wurde der Kultcomic verfilmt. Auch die Schauspieler der angehenden Superhelden stehen fest. Als der Name Michael B. Jordan fiel, machte sich Entrüstung unter den Fans breit. Ein schwarzer Schauspieler sollte die Rolle von Johnny Storm, der menschlichen Fackel, übernehmen? Für viele undenkbar. Ganz klar, wer solch schwerwiegende Sorgen hat, der hat keine Zeit mehr, sich um die Umwelt zu kümmern, alten Menschen zu helfen oder Tiere zu retten. Es fasziniert mich immer wieder, wie viel Kraft manche Menschen in so belanglose Diskussionen stecken.

whitewashingWeißgewaschene Charaktere und starke Frauen

Leider ist diese Diskussion aber kein Einzelfall. In der Vergangenheit gab es einige Charaktere, die im Comic weiß dargestellt, letztendlich aber von einem schwarzen Schauspieler gespielt wurden. So schlüpfte Idris Elba 2011 in die Rolle von Heimdall in Thor, Michael Clarke tauchte für Daredevil (Film) in die Rolle des düsteren Genies Kingpin ein. Ich frage mich, warum Leute so versessen darauf sind, dass ihre Lieblings Comicfiguren 1:1 umgesetzt werden.

Dabei sieht die Realität eigentlich ganz anders aus. Während sich Fans noch über die 1-3 Schauspielrollen aufregen, in denen weiße Figuren von schwarzen Schauspielern gespielt werden, ist das „Whitewashing“ ein viel größeres Problem. Das Whitewashing bezieht sich auf das genaue Gegenteil. Hier werden z. B. asiatische oder afroamerikanische Figuren durch weiße Schauspieler ersetzt. Nehmen wir den britischen Schauspieler Tom Hardy, der in „The Dark Knight Rises“ die Rolle von Bane übernahm. Bane hat einen ursprünglich lateinamerikanischen Hintergrund, selbst sein Auftreten (zumindest im Comic) ähnelt dem eines mexikanischen Wrestlers. Warum wird an dieser Stelle nicht ein lateinamerikanischer Schauspieler gecastet, was der Herkunft des Charakters im Comic entspräche? Tom Hardy hat seine Rolle als Bane im Batman-Teil großartig gespielt, keine Frage. Das trägt jedoch leider nicht zur kulturellen Vielfalt der Filmbranche bei, denn an weißen Schauspielern mangelt es in der Branche gewiss nicht. Man sollte sich natürlich auch nicht in das Gegenteil stürzen und weiße Schauspieler wegdrängen, der Markt ist hier jedoch meiner Meinung nach schon groß genug.

Dasselbe könnte man nun natürlich auch über Michael B. Jordan und seine Rolle als Johnny Storm sagen. Warum nicht einfach immer den passenden Schauspieler anheuern, ganz gleich welcher Herkunft? Generell sind schwarze Schauspieler immer noch eine Minderheit, wenn es um Filme geht. Entweder bekommen sie Rollen in dem Klischee-Horrorfilm und sterben zuerst, oder sie bekommen nur einen Teil des Kuchens, indem sie kleine Nebenrollen spielen. Generell kann ich die Meinung der Fans nachvollziehen, aber wo war dieser Aufschrei bei dem plötzlichen Herkunftstausch bei Bane, Tonto (Lone Ranger) oder Talia al Ghul (Dark Knight Rises)? Das ist eine sehr einseitige Sicht der Dinge. Ein bisschen wie die Männer, die sich durch die zunehmende Rolle der Frauen in Führungspositionen bedroht fühlen, obwohl diese immer noch eine klare Minderheit darstellen.


Internet: Ort der Aggressionenwhitewashing

Wo wir grad bei dem Thema sind. Viel zu selten sehe ich schwarze Schauspieler, die sich für ihr Recht in der Branche einsetzen. Ein Grund dafür dürften auch die Reaktionen der Zuschauer sein. Das hat auch Michael B. Jordan erfahren. Nach der Rechtfertigung seiner Rolle als Johnny Storm sahen die Reaktionen der „Fans“ alles andere als aufbauend aus. Man wolle keinen „diebischen Schwarzen“ in der Rolle der menschlichen Fackel sehen und andere Kommentare, die mich wieder einmal daran zweifeln ließen, ob nicht einige von uns im Mutterleib doch zu wenig Sauerstoff bekommen haben.

Noch schlimmer traf es die Macher von Thor. Im letzten Sommer verkündeten sie, dass in Zukunft eine Frau die Rolle des Thor übernehmen solle. Sofort stürzte sich die empörte Männerwelt auf sie und fühlte sich in ihrer Ehre gekränkt. Will man etwa dem immer größer werdenden Anteil an weiblichen Comic-Lesern Rechnung tragen und nun auch mehr Frauen in dieses Genre einbringen? Unvorstellbar!

Wieder einmal mussten sich die Autoren mehrfach rechtfertigen für ihre Entscheidung, wurden massiv in Tweets und Mails beleidigt und mit Morddrohungen bombardiert. Und das alles wegen einer Comicfigur. Die Probleme lassen sich nicht nur auf die Comicverfilmungen übertragen. In unserer Vielvölkerkultur stellt die Darstellung der einzelnen Kulturen eine wichtige Rolle dar. Kleine Kinder spielen Spiele, gucken Filme und lesen Bücher. Sie nehmen sich Charaktere und Superhelden als Rollenmodel. Was also, wenn diese nur als „weißer Einheitsbrei“ dargestellt werden? Ähnlich mit der Darstellung der verschiedenen Geschlechter und Orientierungen. Comics, Videospiele und Filme sind mehr als nur ein Medium. Wenn die einzelnen Zielgruppen dementsprechend dargestellt werden würden, müsste man nicht solch unsinnigen Diskussionen in Kommentarbereichen führen.

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