Dishonored: Tod des Outsiders

Dishonored: Tod des Outsiders

Arkane Studios will ihre Geschichte über den Outsider mit einem letzten Attentat abschließen, doch zu welchem Preis?

Mit der Veröffentlichung von Dishonored: Die Maske des Zorns erschuf Arkane Studios 2012 eine eindrucksvolle, von Steampunk geprägte Welt. In der Stadt Dunwall nahmen wir die Rolle von Corvo Attano ein und schlichen uns durch dunkle Gassen, wo wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Outsider machten. Nun, fünf Jahre später, ist es als Billie Lurk unsere Aufgabe, dieses ominöse Wesen zur Strecke zu bringen. Gelingt es dem Studio mit Dishonored: Tod des Outsiders einen passenden Abschluss für diesen langwierigen Handlungsstrang zu finden?

Dishonored: Tod des Outsiders

Zeitlich schließt die Standalone-Erweiterung nur wenige Monate nach den Ereignissen von Dishonored 2: Das Vermächtnis der Maske an. Mit Billie Lurk, die einige noch aus der Knife of Dunwall-Erweiterung des ersten Dishonored oder dem zweiten Ableger des Hauptspiels kennen sollten, zieht es uns in den Untergrund von Karnaca, um unseren ehemaligen Mentoren Daud aufzuspüren. Mit ihm zusammen begeben wir uns auf die Suche nach dem Outsider, eine schwierige Aufgabe, die sich mit fünf Kapiteln über acht bis neun Stunden Spielzeit streckt.

Dishonored: Tod des Outsiders

Spielerisch halten sich die Entwickler an die Vorgänger der Serie und legen uns ein Messer, einige Granaten und übernatürliche Fähigkeiten in die Hand und entlassen uns dann in die Welt. Insgesamt stehen uns drei neue Fähigkeiten zur Verfügung: die Weitsicht, der Platztausch und das Trugbild. Mit der Weitsicht halten wir die Zeit an, können Gegner markieren und diese somit beobachten, oder uns Items für später vormerken. Der Platztausch funktioniert ähnlich wie die Teleportation, nur dass dieses Talent einige Upgrades bekommt - doch dazu später mehr. Zu guter Letzt können wir mit dem Trugbild wortwörtlich das Gesicht unserer Opfer klauen, um uns unentdeckt an den Wachen vorbeizuschleichen. Der Effekt wird jedoch aufgehoben sobald unsere Kraft schwindet.

Vor allem der Platztausch enthält viel Potential und kann uns als schnelle Flucht, als taktischer Vorteil im Kampf oder eben auch einfach als Fortbewegungsmittel dienen. Im Laufe des Spiels sammeln wir Knochenartefakte (oder bauen sie einfach selbst) um sowohl unsere Kräfte als auch Billies physische Form zu verbessern. Damit lässt sich der Platztausch beispielsweise so anpassen, dass wir beim Teleportieren ein Trugbild an unserer alten Position projizieren und somit Gegner in die Falle locken. Oftmals finden wir während der Missionen jedoch so viele Artefakte, dass die Funktion der Artefaktherstellung für die recht kurze Spielzeit doch ein bisschen überflüssig wirkt.

Das gilt zumindest für den ersten Spieldurchlauf, denn die Entwickler haben aus ihren Fehlern gelernt und der Standalone-Erweiterung sofort einen New Game Plus-Modus beschert. Wer sich einmal durch die Kampagne kämpft, erhält Zugriff zu diesem Modus und dadurch zusätzlich die Möglichkeit, auf die Fähigkeiten von Dishonored 2: Das Vermächtnis der Maske zuzugreifen. Das ist eine schöne Ergänzung, die folgende Spieldurchläufe noch einmal interessanter gestalten sollte.

Auch sonst lässt uns der Entwickler mehr Freiraum, wenn es beispielsweise darum geht, wie wir die Missionen angehen wollen. Durch das fehlende Chaos-Level können wir uns nun auch als brutaler Assassine, der niemanden am Leben lässt, durch das Spiel bewegen und müssen keine Konsequenzen fürchten. Umso positiver sich die Eindrücke der überarbeiteten Spielemechaniken gestalten, desto enttäuschender fällt die Kritik bei dem vielleicht wichtigsten Teil eines Finales aus: der Geschichte.

Seit dem ersten Teil der Reihe steht die übernatürliche Präsenz des Outsiders stets im Vordergrund der Welt von Dishonored. Er verleiht unseren Protagonisten enorme Kräfte, schaut uns seit dem ersten Teil über den Rücken und besitzt eine tragische Hintergundgeschichte, über die wir in Dialogen und Tagebucheinträgen mehr erfahren. Wenn wir also die Aufgabe erhalten, den Outsider - einen Gott - zu töten und somit einen enormen Teil dieser einzigartigen Spielwelt zu tilgen, dann sollte sich unsere kurze Spielzeit natürlich umso bedeutender anfühlen.

Doch genau daran scheitert Dishonored: Tod des Outsiders erzählerisch. Fast scheint es als hätte Arkane das Gespür dafür, was genau die Welt von Dishonored so besonders macht, aus den Augen verloren. Auch bei Billie kommt die Entfaltung ihres Charakters und ihrer Beziehung zu Daud deutlich zu kurz. Vor allem Daud als ehemaliger Protagonist hätte weitaus mehr Präsenz und einen gebürtigeren Abschluss verdient. Einst als berüchtigter Assassine bekannt, bleibt heute nur noch ein alter, von Selbstzweifeln und Reue zerfressener Mann übrig, dessen Geschichten wir aus Zeitgründen nie zu Ende lauschen können. Auch die Beziehung zwischen Daud und Billie, die den Auftragsmörder einerseits fast als Vaterfigur betrachtet, andererseits in der Vergangenheit schon einmal ein Attentat auf ihn ausgeführt hat, wird kaum aufgegriffen. Stattdessen schließen sich die beiden nach einem kurzen Wiedersehen sofort zusammen, um den Outsider zu töten.

Dishonored: Tod des Outsiders

Rattengeflüster

Die Qualität von Dishonored: Tod des Outsiders hängt ganz entscheidend davon ab, welchen Aspekt des Franchise man selbst am wichtigsten findet. Ist es die industrielle Welt mit all ihren rauen Charakteren, die voller unerzählter Geschichten steckt oder sind es doch eher die unzähligen Möglichkeiten, sich durch das Spiel fortzubewegen? Wer sich hierbei eher an den spielerischen Aspekt orientiert, der wird sich über die fünf neuen Kapitel in der Standalone-Erweiterung freuen. Arkane Studios hat aus den Fehlern von Dishonored 2: Das Vermächtnis der Maske gelernt und lässt uns nun freie Hand dabei, wie brutal oder vorsichtig wir bei der Durchführung von Missionen vorgehen dürfen. Auch der New Game Plus-Modus verspricht mit der Ergänzung der vergangenen Fähigkeiten einen interessanten Twist, der viele Spieler dazu herausfordern wird, sich neue Spieltechniken und Wege auszudenken.

Doch wer sich von den Charakteren und der Welt, die diese umgeben begeistern lässt, der bleibt nach dem Abspann unzufrieden zurück. Zu kurz kommt die Charakterentfaltung, zu unbedeutend wirkt das Finale, in dem wir über das Leben des Outsiders entscheiden. Während sich das Spiel an einigen Stellen zu viel Zeit lässt, wirkt es bei einschneidenden Ereignissen zu unüberlegt und überstürzt. Mit der Standalone-Erweiterung hätte Arkane Studios sämtliche Möglichkeiten gehabt, die Geschichte zwischen den Charakteren weiter zu spannen und diese gebürtig in der finalen Erweiterung zusammenzuführen. Stattdessen beenden wir das Spiel genau so, wie wir es vor fünf Jahren mit Corvo Attano begangen haben: als einsamer Assassine.

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Anne ist Game Design-Student und setzt sich freiberuflich mit der Videospielkultur auseinander. Neben kleineren Indie-Titeln und psychologischen Themen hat es ihr vor allem das Sci-Fi-Genre angetan. Unter @dovahkarian tweetet sie hauptsächlich Fotos von ihren Hunden.