dragon age: inquisition

Eine zerrissene Welt – DRAGON AGE: INQUISITION

Ich denke ich kann ruhigen Gewissens sagen: Dragon Age: Inquisition ist mein persönliches Spiel des Jahres. Sogar an meinen langjährigen Favoriten-Titel „Skyrim“ kommt es heran.

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xplorer-dragon-age-inquisitionAls Dragon-Age-Neuankömmling ist es recht hart, sich mit all den Begriffen, Clans und Völkern zurechtzufinden. Da ich selbst noch keinen Teil davor gespielt habe, habe ich mir eine schöne Zusammenfassung herausgesucht. Hier findest du alle Geschehnisse bis zum dritten Teil zusammengefasst (das beinhaltet natürlich massive Spoiler zu Dragon Age 1 und 2). Auch die Dragon Keep von BioWare selbst kann da helfen. Mit ihr könnt ihr den Ausgangspunkt im dritten Teil bestimmen.

Ein zweischneidiges Schwert

In Thedas herrschen kriegerische Unruhen. Nach dem Magieraufstand (Dragon Age 2) sagten sich diese von den Templern los. Die Templer sind dazu da, die Magier im Zaum zu halten. Anders als in anderen Rollenspielen sind diese Magier hier viel gefährlicher. Mit einer Verbindung ins Nichts (der Dämonen und Geisterwelt) sind sie mächtig und können sogar besessen werden. „Freilaufende“ Magier beschäftigen sich oft mit Blutmagie, eine durchaus gefährliche und tödliche Art der Magie. Die Templer passen auf die Magier ihr Leben lang auf. Mittendrin stehst du als neuer Herold von Andraste. Mit einem leuchtenden Mal auf der Hand sollen ganz beiläufig die Risse in der Welt geschlossen werden. Du befindest dich in einem Kampf, in dem Dämonen und Menschen gleich gefährlich sind. Werden die Templer die Menschheit vor dem Unheil durch die Magier beschützen? Werden die Magier unterdrückt und wie Sklaven behandelt? Du entscheidest, in welche Richtung die Geschichte sich entwickelt.

dragon-age-kampf„Früher war alles besser!1“

In der Videospielbranche hat sich über die letzten Jahre viel verändert. Ich habe das Gefühl, das oftmals eine hohe Grafikauflösung einer schlüssigen, charismatischen Story vorgezogen wird. Dragon Age soll mittlerweile einfach mehr Wert auf eine Inszenierung anstelle einer Erzählung legen. Einen interessanten Artikel zu diesem ganzen Thema findest du übrigens hier.Obwohl Dragon Age Inquisition mit 89% in der Metacritic extrem positiv ausfällt, gibt es da noch die Hardcore-BioWare-Fans. Diese wünschen sich das alte BioWare zurück. Das alte BioWare, das wäre zu Zeiten von Baldurs Gate und dem ersten Teil der Dragon-Age-Reihe. Mit Dragon Age Origins hat BioWare die Massen so sehr begeistert, dass nun bei jedem neu herausgebrachten Spiel das Gleiche kommt: „Hm naja, Origins fand ich besser“. Sollten wir nicht damit aufhören, Spiele ständig miteinander zu vergleichen? Bei Dragon Age 2 hat BioWare sicher einiges falsch gemacht. Dadurch, dass die taktische Ansicht herausgenommen wurde, wirkte die Geschichte „matschiger“. Mit Dragon Age Inquisition kommt die taktische Kamera wieder. BioWare verspricht den Fans den alten Dragon-Age-Charme. Man hat sich also bemüht, die Fehler aus der Vergangenheit auszumerzen. Ich kann meine Meinung nur aus den Berichten anderer bilden, da Inquisition mein erster Dragon-Age-Teil ist (das werde ich jetzt aber ändern). Viele Gamer neigen dazu, in der Vergangenheit zu schwelgen. Origins war also ein sehr schön gelungenes Spiel. Warum genießt man das nicht einfach? Warum will man den Nachfolgern mit etwas abgewandeltem Konzept nicht mal eine Chance geben? Ich lasse mir jedenfalls nicht erzählen, „Inquisition“ wäre ein „schlecht inszeniertes Spiel“, nur weil es nicht 1:1 Origins widerspiegelt.

Die RPG-Titanen

Für mich stellen Dragon Age und Skyrim zwei verschiedene Seiten der Fantasy-Welt dar. Dragon Age bezieht sich eher auf politische Ansichten. Elfen leben in Armutsvierteln, Magier fristen ihr Leben in Gefangenschaft. Während sich Dragon Age auf die „harte Realität“ dieser Welt bezieht, verliert sich Skyrim im Fantastischen. Himmelsrand ist jedoch ebenfalls mit Vorurteilen belastet. Die Versklavungsgeschichte sieht auch nicht grade blendend aus. Trotzdem befasst sich Skyrim mehr mit dem fantastischen Anteil eines RPGs. Dragon Age hingegen setzt auf Religion und Politik. Mit der taktischen Kamera gestaltet Dragon Age das Gameplay noch etwas strategischer, während man bei Skyrim einfach draufhaut. Meiner Meinung nach ein Punkt für Dragon Age. Insgesamt stehen zehn Regionen in Dragon Age Inquisition zur Verfügung. Ein direktes Open-World-Spiel ist es also nicht. Die Regionen sind jedoch so riesig, dass man schon alleine für die Nebenquests ca. 100 Stunden benötigen soll. Die Hauptkampagne soll ca. 50 Spielstunden umfassen. So etwas wie Zufallsevents gibt es jedoch in Dragon Age nicht. In Skyrim stehen euch dagegen alle Möglichkeiten offen. Man kann mit jeden NPC sprechen oder verwickelt sich in plötzliche Drachen- und Vampirangriffe. Bei Dragon Age werden Events lediglich durch bestimmte Vorgänge ausgelöst. Skyrim bietet also die fantastische, frei erkundbare Welt. Dragon Age hingegen setzt auf härtere Stilmittel und taktischere Vorgehensweisen.


dragon-age-inquisition-begleiterBei Anruf Liebe

Auch in diesen Dragon-Age-Teil kommen die Romanzen nicht zu kurz. BioWare ist mittlerweile bekannt für seine Beziehungsoptionen, auch in Mass Effect findet man diese. So habt ihr je nach Geschlecht und Rasse verschiedene Leute aus eurer Inquisition zur Verfügung. Für elfische Frauen gibt es den rätselhaften Solas, während Männer und Frauen jeglicher Rasse ihr Glück bei dem eisernen Bullen versuchen können. Nicht nur die Art, wie man sich vor ihnen darstellt, spielt hier eine Rolle. Trifft man in Quests die falschen Entscheidungen, können die Liebes-Interaktionen sogar völlig gestrichen werden. Ebenso können Teile der Inquisition den Helden verlassen, wenn es oft zu starken Unstimmigkeiten oder Streitereien kommt. Man sollte sich eins merken: In einem BioWare-Spiel trifft man jede Entscheidung mit einen gewissen Risiko. So musste auch ich beim Durchspielen eine Stunde Spielzeit wiederholen. Ich hatte ein Mitglied meiner Gruppe gekränkt, dadurch wurde mir die Romanzen-Option verweigert. Da Mass Effect zu meinen Lieblingsspielen zählt, habe ich auch dort schon diese Erfahrungen gemacht. So hat man teilweise die Möglichkeit zwischen „Ich liebe dich, lass uns für immer zusammen sein!“, oder „Deine Meinung interessiert mich einen Scheiß, du bist nur Mittel zum Zweck.“ Oftmals habe ich es auch erlebt, dass Dinge ausgesprochen ganz anders rüberkamen als in den Dialogoptionen. So verzettelt man sich dann doch das ein oder andere Mal und stolpert in riesige Fettnäpfchen.


Texturenmatsch oder Grafikbombe?

Die Frage lässt sich ganz einfach beantworten. Spielt man Dragon Age Inquisition auf den Current-Gen-Konsolen, bietet BioWare eine wahre Grafikperle. Spielt man jedoch wie ich auf der Last-Gen, sieht das alles anders aus. Ich habe Dragon Age: Inquisition auf der Xbox 360 gespielt. Letztens habe ich erst darüber geschrieben, dass man aufhören muss, Spiele zwanghaft in alte Konsolen zu stopfen. Ganz so hart kann man das hier jedoch nicht sehen, denn es wurden zum Glück keine Features herausgenommen. Das die Grafik auf einer neun Jahre alten Konsole schlechter ist als auf einer PS4, ist klar. Teilweise kam es jedoch zu extrem langen Texturladezeiten, oder es blieb einfach ein Klumpen Farbe. In vielen Cutscenes hatte ich auch Performance-Probleme, was recht frustrierend war. Teilweise hing der Ton dann drei Sekunden hinterher und das Bild war abgehackt. Ansonsten kam es zu einigen kleinen Glitches und Bugs, die das Durchspielen jedoch nicht behinderten. Trotzdem frage ich mich, warum man nicht Wert auf eine etwas ansprechendere Grafik legt. Selbst für Last-Gen ist diese ziemlich schlecht. Der dritte Teil der Dragon-Age-Reihe platzt förmlich aus allen Nähten. Hier ein Crafting-System, da Tränke brauen. Dann hier noch schnell einen Rückzugsort einrichten und dort ganz Thedas überwachen. Das Crafting-System fühlt sich vom Aufbau her gut an, trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass es nicht vollendet ist. Und – eine Bitte hätte ich noch: Bitte in den nächsten Spielen ein ordentliches Kletter-System einbauen. Es muss ja nicht gleich Parcours-Lauf à la Assassins Creed sein. Wenn jedoch der Charakter fünfmal stumpf gegen eine Erhöhung springt, ohne auf die Idee zu kommen sich mal hoch zu ziehen, ist das schon ziemlich blöd.

Fazit

Die taktische Ansicht ist zurück, ebenso wie altbekannte Charaktere. Man kann jeder Person einen Charakter zuweisen. Abxplorer-inquisition und zu lacht man, wenn sich die Gruppemitglieder mitten im Einsatz anfangen zu beleidigen oder gegenseitig verarschen. Genau das ist es, was mir an BioWare-Spielen so gefällt. Man kann einen Faden zu den einzelnen Charakteren spinnen. Man freundet sich mit ihnen an und wenn sie sterben, fließt auch mal die ein oder andere Träne (danke, Mass Effect). Man fühlt sich mit seinem Charakter in die Spielwelt eingebunden und die Entscheidungen die man trifft, haben oftmals größere Auswirkungen als man erst vermutet. Legt man das Spiel anders aus, könnte man es locker noch zweimal durchspielen. Mich hat BioWare mit dem neuen Dragon-Age-Teil auf jeden Fall in den Bann gezogen. Ich hoffe sehr auf eine Fortsetzung in ein paar Jahren und bin gespannt, wie es dann weitergeht.

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Anne ist Game Design-Student und setzt sich freiberuflich mit der Videospielkultur auseinander. Neben kleineren Indie-Titeln und psychologischen Themen hat es ihr vor allem das Sci-Fi-Genre angetan. Unter @dovahkarian tweetet sie hauptsächlich Fotos von ihren Hunden.