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Gender-Lock in Videospielen: Große Schwerter, knappe Röcke

Große Schwerter, knappe Röcke

Mit meiner Schwarzmagierin spielte ich mich schon seit einigen Stunden durch die riesige Welt des neuen MMORPG Black Desert Online. Der detaillierte Charakter-Editor und meine Gier nach immer neuen Charaktern führte mich schließlich zum Button "neuen Charakter erstellen". Während ich mich im Kopf schon in meine 2m große, toughe Berserkerin verliebte, wurde ich schnell aus dieser Wunschvorstellung gerissen. Statt der Option der Geschlechterwahl meines Berserkes, klatschte mir das Spiel die männliche Form der riesigen Kämpferklasse vor den Kopf. Für die Frauen gibt es kurze Röcke, Männer bekommen einen Muskel-Anzug.

(Auch wenn ich mich im Text aufgrund der Aktualität vor allem auf Black Desert Online beziehe, ist dies nicht der einzige Titel mit der fragwürdigen Geschlechter-Blockade.)

Was ist ein Gender-Lock?

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Das Klassen Pendant mag dasselbe Konzept besitzen, die Ausführung ist jedoch alles andere als gleich

In den heutigen Charakter-Editoren ist es meist üblich, neben der Auswahl der Klassen, auch eine Wahl des Geschlechts bereitzustellen. Damit fördern die Entwickler eine bessere Identifizierung des Spielers mit seinem Charakter, so fern man dies möchte. In Spielen mit einem Gender-Lock ist dies jedoch nicht möglich. Im Falle von Black Desert Online ist es uns beispielsweise nur als Mann möglich die Klasse des Berserkers zu spielen und die Waldläufer stehen nur in weiblicher Form zur Verfügung.

Ich selbst habe in der Vergangenheit sowohl männliche als auch weibliche Charaktere gespielt. Die Wahl des Geschlechts meines Charakters hing jedoch immer von meiner eigenen Entscheidung ab. Wenn den Spielern diese Möglichkeit genommen wird, ist ein Aufschrei also durchaus nachvollziehbar. Mit der Entscheidung für einen Gender-Lock werden sowohl kreative Entscheidungen, als auch persönliche Präferenzen eines Spielers beschnitten. Während es in einigen Spielen wie The Witcher 3 aus narrativer Sicht durchaus nachvollziehbar ist, uns ein Geschlecht vorzugeben, ist es in einem Sandbox MMORPG wie Black Desert Online, das vor allem mit dem Umfang und seinen Auswahlmöglichkeiten strotzt, schlichtweg sinnlos.

Die Thematik des Gender-Locks hängt sicher auch mit den kulturellen Unterschieden zusammen, denn ein Großteil der davon betroffenen Spiele stammen aus Asien. Die Ansichten westlicher Spieler sind bereits in der Vergangenheit des Öfteren mit der Darstellungsweise der asiatischen Entwicklerstudios aneinander geraten. So gibt es ähnliche Probleme mit dem Gender-Lock des, ebenfalls aus Korea stammenden, TERA, oder auch die Over-The-Top Darstellungen der Street Fighter V Charaktere.

Wenn Entwickler wie Pearl Abyss oder Bluehole Studio nach Erfolg in westlichen Regionen streben, sollten sie diese strikte Einteilung der Geschlechter nochmals überdenken.

In einem Interview machte Black Desert Online Entwickler Pearl Abyss noch einmal klar, dass auch in Zukunft nicht mit der Aufhebung des Gender-Locks zu rechnen ist.

Besonders ärgerlich ist meiner Meinung nach die Argumentation. So sollen Spieler, die auf eine kräftige Berserking verzichten wollen, das weibliche Klassen Pendant, die Walküre spielen. Statt 2m Körpergröße und riesigen Muskeln trägt diese einen kurzen Rock, der knapp über das Hinterteil reicht und ein kleines Schwertchen. Also praktisch genau dasselbe. Ein weiteres Argument sei der große Aufwand, der mit der Entwicklung von je zwei Geschlechter für die insgesamt sechs Klassen auf das Studio zukommen würde. Dem kann ich nicht widersprechen, denn hier muss vor allem auf die Darstellung der einzelnen Rüstungen und die verschiedenen Animationen, die sich über das komplette Spiel verteilen, geachtet werden. Dies als ein Argument zu nehmen Geschlechtern komplette Heldenklassen zu verweigern, ist jedoch ähnlich nachvollziehbar, wie Ubisoft's damalige Begründung für den Mangel weiblicher Charaktere, aufgrund der "schwierigeren Animationen."

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Das es auch anders geht, beweist das kommende koreanische MMORPG Cabal 2 bereits seit 2014, als es den fiesen Gender-Lock abschaffte und mit neu designten Gegenstücken der jeweiligen Charaktere strahlte. Das Update brachte sowohl weibliche Krieger mit starker Rüstung, als auch elegante männliche Bogenschützen. Ein positives Beispiel für jene Entwickler, die das Problem stets auf andere/s schieben.

Während ich hier oft auf die weibliche Seite eines Gender-Locks eingegangen bin, gilt dasselbe für männliche Spieler, die sich nicht in der Rolle des muskulösen Helden sehen, sondern eher in die Rolle eines grazilen Waldläufers oder Schwarzmagiers schlüpfen möchten.

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Anne ist Game Design-Student und setzt sich freiberuflich mit der Videospielkultur auseinander. Neben kleineren Indie-Titeln und psychologischen Themen hat es ihr vor allem das Sci-Fi-Genre angetan. Unter @dovahkarian tweetet sie hauptsächlich Fotos von ihren Hunden.