Hat BLACK DESERT ONLINE das Zeug zum MMORPG-Dauerbrenner?

In der Vergangenheit probierte ich es mit so einigen MMORPGS, unter anderem Titel wie den Free-to-play Titel AION oder auch Final Fantasy XIV: A Realm Reborn. Keiner der angespielten Titel schaffte es, mich tatsächlich zu fesseln und mich so als Stammspieler zu gewinnen. Triste Story, eintönige Quests und Pay2Win, um einige der Gründe zu nennen. Mit Black Desert Online versucht es Entwickler Pearl Abyss nun auch bei uns am westlichen Markt. Schafft es der Sandbox Titel genug neue Spieler zu gewinnen?

In der Vergangenheit probierte ich es mit so einigen MMORPGS, unter anderem Titel wie den Free-to-play Titel AION oder auch Final Fantasy XIV: A Realm Reborn. Keiner der angespielten Titel schaffte es, mich tatsächlich zu fesseln und mich so als Stammspieler zu gewinnen. Triste Story, eintönige Quests und Pay2Win, um einige der Gründe zu nennen. Mit Black Desert Online versucht es Entwickler Pearl Abyss nun auch bei uns am westlichen Markt. Schafft es der Sandbox Titel genug neue Spieler zu gewinnen?

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Die Essenz der verfügbaren MMORPGS ist immer dieselbe. Man nehme eine weltvernichtende Macht die die Welt bedroht, ein fantastisches Setting, Katzenohren und viel Tastendrücken. Schon hat man sein Spiel zusammen. Mit Black Desert Online verspricht Entwickler Black Abyss ein "Next-Generation MMO", ein Spiel das die Grenzen der vergangenen Spiele durchbricht und mit neuen Kernelementen für Abwechslung sorgt. Große Worte, die große Erwartungen wecken, denn eine Revolution hat das Genre schon lange nötig. Kostenlose, schlecht designte Fantasy Free-to-play Titel häufen sich, springen uns bei deaktivierten Adblocker förmlich ins Gesicht. Bei vielen von ihnen macht sich schon in der ersten Stunde Spielzeit ein lautes Gähnen bemerkbar. Was Pearl Abyss uns verspricht wäre also ein immenser Fortschritt. Halten sie ihr Versprechen? Fast, jedoch nicht ganz.

Als ich mir meine toughe Schwarzmagierin im Charakter-Editor zusammenstellte fielen mir zwei Dinge auf: Zum einen der Charakter-Editor, der eine enorme Menge an Einzelheiten verspricht, die ich an meinem Charakter verändern kann. Verschiedene Haar-Stufen, Nasenflügelbreite, Augenlidform, Form der Lippen oder auch eine Abwesenheits-Pose, um nur einige der Einstellungen zu nennen. Mit einigen Mausklicks zieht man sich also schnell das gewünschte Gesicht zusammen. Einige Spieler versuchten sich sogar schon an Star-Imitationen wie Benedict Cumberbatch oder Michael Jackson. Das Zweite ist die Grafik, denn diese weit über den Standard eines MMORPG hinaus. Schaut man sich einige Screenshots der Welt an, so gleichen diese auf den ersten Blick Titeln wie Dragon Age: Inquisition oder Witcher 3: Wild Hunt. Qualitativ hochwertige Texturen, Partikeleffekte und gute Belichtung ziehen den Spieler aus der Welt der klobigen Fantasy-Titel und sorgen tatsächlich für eine Art "Next-Gen" Feeling.

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black-desert-online-xplorerDoch Grafik ist bekanntlich nicht alles. Was hat der koreanische Titel spielerisch zu bieten? Statt sich einzig und allein auf das beliebte Tasten-Mashing zu verlassen, arbeitet der Spieler vorwiegend mit Tastenkombinationen die sich im Umfeld der WASD Region auf der Tastatur befinden. So sind es meist die Combos, die der Wirkung unserer jeweiligen Fähigkeiten die eigentliche Stärke geben. Statt der typischen Benutzung der Tastennummern 1 bis 5, bringt uns Black Desert Online eine ganze Reihe von Attack und Combos à la Street Fighter. Ein wichtiger Punkt, der mich oft zum Ausstieg aus den bisherigen Spielen führte, war das eintönige Kampfsystem. Mit Black Desert Online's Kampfsystem fühle ich mich als Spieler stärker integriert in die Kämpfe. Ich habe das Gefühl, dass meine ausgeführten Aktionen tatsächlich großen Schaden anrichten. Unterstützt wird das durch schöne, flüssige Animationen, die meine Schwarzmagierin in der Luft umherwirbeln und ihre Magie auf meinen Gegner niederprasseln lässt.

Das Spiel schafft es mit einer passenden Inszenierung und einem überarbeitetem Kampfsystem also einige Probleme vergangener Titel zu beseitigen. Andere gängige Probleme des Genres bleiben für mich jedoch weiterhin bestehen. So bin ich immer noch von nervigen Sammelquests wie "Sammle 5 Fische, bringe sie zu X" abhängig und hacke mich sinnlos von einer Gegend zu anderen, ohne den eigentlichen Kontext meiner Taten erkennen zu können. Zwar schafft es Pearl Abyss mit einer vollständigen Vertonung der NPCs und kleinen Cutscenes mich immer mal wieder aus dem Trott zu reißen, jedoch nur so lange bis ich mich mit dem hauseigenen "Energie-System", dem größten Ärgernis des Spiels, herumschlagen muss.

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Gender-Lock auf einem Bild: Das weibliche Klassen Pendant zum Berserker

Gender-Lock und Wartezeiten

Während das Spiel sich in vielen Punkten positiv von seinen Vorgängern abhebt, sind es vor allem zwei Dinge die mir das eigentlich schöne Spieleerlebnis wieder zerstören. Zum einen gibt es da das Energiesystem. Im Energie Meter, der euch oben links am Bildschirmrand angezeigt wird, seht ihr wie viel Energie euer Charakter pro Tag zur Verfügung steht. Benötigt wird diese Energie für Tätigkeiten wie in den Chat schreiben, mit NPCs reden oder auch Freizeitaktivitäten wie z. B. dem Angeln. Wenn sich die Anzeige leert, gibt es für euch nichts anderes zu tun als zu warten oder einige Quests zu erledigen. Das System dahinter ähnelt Titeln wie Farmville oder auch bei einigen App Spielen, die euch für einen bestimmten Zeitraum nur die vorgegebene Menge an Ressourcen geben. In einem Spiel wie Black Desert Online ist dieses System einfach nur daneben. Es hindert den Spieler daran sich frei in der Welt auszutoben und ist vor allem eins: unnötig.

Nachdem ich nun einige Stunden mit meiner Schwarzmagierin durch das Land reiste, kam es mir in den Sinn eine große, brutale Berserkerin im Charakter-Editor zu erstellen. Diesen Wunsch wurde mir jedoch schnell genommen, denn, wie viele andere asiatische MMORPGs, besitzt das Spiel einen Gender-Lock. Die Berserker und Kämpfer Klasse ist einzig und allein für männliche Charaktere gedacht. Als Schwarzmagierin, Walküre oder Waldläuferin dürfen dagegen nur weibliche Charaktere ausgewählt werden. Die einzige Klasse die frei zur Verfügung steht, ist die Klasse des Magiers/ der Magierin. Ebenso wie das Energiesystem ist die Aufteilung der Geschlechter lächerlich und hat zudem schlichtweg keinen Sinn. Wir spielen hier keinen bereits existierenden Helden, sondern sollen uns schließlich komplett frei im Spiel ausleben können. Ein System das die Kreativität so stark eingeschränkt, zerstört den Sandbox Aspekt des Spiels.

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(Wer mehr über das Thema Gender-Lock erfahren möchte, hier geht es zum Artikel)

black-desert-online1Lohnt sich ein Blick?

Das ist im Endeffekt jedem selbst überlassen. Bei Black Desert Online handelt es sich um einen Buy2Play Titel, ihr zahlt also einmalig 49,99€ und habt danach freien Zugang zu allen Aspekten des Spiels (auch wenn der Shop trotzdem mit unzähligen ingame Währungsartikeln übersäht ist ). In einigen Punkten fühlt sich das Spiel tatsächlich wie eine Art "Next-Gen" Titel an. Die Grafik hebt sich stark vom Rest ab, das Kampfsystem wurde dem eines vollwertigen Fantasyspiels angepasst und auch die Charaktere wurden gut in Szene gesetzt. An dem wohl wichtigsten Punkt, dem Questing, ändert sich jedoch leider nichts. Ihr müsst euch weiterhin mit schlichtweg sinnlosen Quests herumschlagen und die Story ist auch nicht der Rede Wert. Dazu kommen Einschränkungen in Form des Gender-Locks und des Energiesystems, die euch der Kreativität und der Freiheit berauben, alles zu machen was ihr wollt. Dem eigentlichen Sinn eines Sandbox Titels.

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Anne ist Game Design-Student und setzt sich freiberuflich mit der Videospielkultur auseinander. Neben kleineren Indie-Titeln und psychologischen Themen hat es ihr vor allem das Sci-Fi-Genre angetan. Unter @azarnecke tweetet sie hauptsächlich Fotos von ihren Hunden.