Comics

Horror im Doppelpack mit NACHT DER LEBENDEN TOTEN & GEISTER DER TOTEN

von Anne Zarnecke am 8. Mai 2015
Was hat einer der kultigsten Zombie-Filme und der Horror-Dichter Edgar Allan Poe gemeinsam? Beide erwartet eine Neuauflage! Während Jean-Luc Istin sich an eine Comic-Adaption des Klassikers „Die Nacht der lebenden Toten“ wagt, gestaltet Richard Corben Edgars Klassiker im Comic-Look und somit etwas moderner. Ob die Mischung Klassiker und Neuauflage wirklich aufgeht?

horror_nachtderlebendentotenDie Nacht der lebenden Toten

An dem Thema Zombies kommt man heutzutage kaum noch vorbei, egal ob Comic, Film, Spiel, Cocktail oder Themenparty. Den ersten Stein für den Anfang des riesigen Hypes legte unter anderem der Film-Regisseur George A. Romero mit seinem Kult-Film „Die Nacht der lebenden Toten“ im Jahre 1968. Noch zu Schwarz-weiß-Zeiten fanden die wandelnden Leichen also schon ihre Anhänger. Mit der Neuauflage in Comicform mischt Jean-Luc Istin Aspekte aus dem Film mit den Einflüssen unserer heutigen Zeit. Ähnlich wie bei The Walking Dead geht es hier viel mehr um die zwischenmenschlichen Beziehungen in einer Zombieapokalypse, denn diese können weitaus grausamer sein als die Hirn-Liebhaber selbst.

In ein paar Bildern und Sprechblasen wird zuerst der Ausbruch der Epidemie beschrieben. Ähnlich wie bei dem Zombie-Thriller „28 Days Later“ entsteht diese durch einen Laborunfall. Der Mensch ist wissbegierig und sucht nach dem unendlichen Leben. Um dies zu erreichen, werden eine Vielzahl von Tests an Schimpansen im Labor durchgeführt: Das Herz setzt aus, auf dem Monitor nur noch die berühmt-berüchtigte durchgehende, laut piepende Linie. Dann wird mit Hilfe einer Spritze das mysteriöse Serum in den Kreislauf eingeführt. Einige Minuten später greift der tot geglaubte Affe die Ärzte an. Karma.

Wir machen einen Zeitsprung und landen bei Lizbeth, der Protagonistin des Comics. Ihre größte Angst ist der Tod selbst. Durch einen Psychiater betreut, versucht sie dieser Angst auf dem Grund zu gehen. Eine verschwommene Kindheit ohne Erinnerungen beruhigt da nicht unbedingt das Gewissen. Zusammen mit ihren Bruder macht sie sich auf den Weg zum Grab ihres Vaters, ohne zu wissen, dass die Toten um sie herum wiederauferstehen. Eine unangenehme Begegnung mit einem übelriechenden Kerl auf dem Friedhof bereitet ihr Sorgen. Als der Unterkiefer des jungen Herrn nach einem Kinnhaken durch die Luft fliegt, begreifen beide, dass hier etwas gewaltig nicht stimmt.

So viel zu den ersten paar Seiten. Das erste Band hält sich recht kurz, holt nicht allzu sehr aus und macht mit einem riesigen Cliffhanger am Ende trotzdem Lust auf mehr. Auch hier stellt sich die Frage: Wen sollte man mehr fürchten, die Toten oder die Lebenden?

horrordoppelpack_nachtderlebendentoten_xplorerZu cool für Panik

Insgesamt soll der Comic Die Nacht der lebenden Toten aus drei Bänden bestehen, zwei folgen also noch. Der Stil ist perfekt im Licht der andauernden Apokalypse gehalten. Triste, dunkle Farben und streng gezeichnete Gesichter. Die Hintergründe sind meist recht simpel gestaltet, während viel Wert auf die Gesichtszüge gelegt wird. Eine Sache hat mich jedoch enorm gestört: das Tempo. Die Geschwister werden von einem lebenden Toten angegriffen, die komplette Stadt ist überrannt und nicht einmal bricht einer der Charaktere aus seiner Rolle des toughen Überlebenden. Es wird viel Wert auf die „Coolness“ gelegt, dabei gehen jedoch die Emotionen stark unter. Es wird von einer Situation zur anderen gesprungen, ohne dass man auch nur ein wenig Hintergrundinformationen bekommt. Warum fragt zum Beispiel niemand nach, wie das alles passiert ist? Wenn meine Nachbarn mich auf einmal zum Fressen gern haben, Militär eintrifft und die komplette Stadt von Toten heimgesucht wird, würde ich schon gerne aufgeklärt werden. Vielleicht haben die Charaktere aber auch einfach genug Zombiefilme geguckt und wissen, was sie tun müssen. Dann liege ich klar im Vorteil bei einer Apokalypse.

Fazit

nacht_der_lebenden_totenEinen Ansatz an die Filmvorlage erkennt man vage, generell setzt die Neuauflage jedoch eher auf die heutzutage „Zombie-typischen“ Merkmale im Bereich Film. Lizbeths Storystrang wurde mit dem Cliffhanger noch mal ein wenig interessanter gestaltet, es bleibt abzuwarten, wie sich die Geschichte entwickelt. Die Hauptsache ist, dass sie sich überhaupt weiterentwickelt. Viele Zombie-Ansätze scheitern damit, dass man sich an einer Stelle festfährt. Es entsteht also keine Charakterentwicklung oder eine interessant gestaltete Geschichte. Der erste Band der dreiteiligen-Serie gibt einen guten Einblick in das, was uns in den nächsten Teilen womöglich erwartet: Viel Zombie-Geschnetzeltes, Arschloch-Menschen und Katastrophen.

 

Autor – Jean-Luc Istin Künstler – Elia Bonetti Seiten – 56 Verlag – Splitter Verlag

 

geister_der_toten_xplorePoe’s: Geister der Toten

Von schlurchenden Zombies zu Edgar Allan Poe. 1A Überleitung. Kaum jemand prägte die Horror- und Kriminalliteratur so sehr wie der gute Edgar. Auch wenn ich sonst mit Poesie so viel am Hut habe wie ein Stück Toast, faszinieren mich seine Werke. Eine Interpretation der Werke als Comic kommt da wie gerufen! Auf knapp 200 Seiten zeigt Richard Corben seine 15 illustrierten Werke zu Klassikern wie „Doppelmord an der Rue Morgue.“ Interessant finde ich hier vor allem die Umsetzung in den typischen Comic-Stil. Die sonst sehr schwer im Magen liegenden Zeilen Edgars werden hier mit Gesprächen zwischen den Charakteren und Richards Zeichenstil modernisiert.

edgar_allan_poe_geisterdertoten_Dicke Nasen, dicke Brüste

Ein Fan von Richards Art und Weise die Charaktere zu inszenieren bin ich definitiv nicht, zu der Stimmung der Werke passt er jedoch sehr gut. In einem alten 70er-Jahre-Stil stellt er die einzelnen Welten samt Charakteren dar. Besonders auffällig ist seine Vorliebe für große Nasen, markante Gesichter und vollbusige Frauen. Oft sehen die Gesichter fast schon entstellt aus. Für mich schon ein bisschen zu abstrakt. Während die Gesichter der Figuren oft recht detaillos sind, wird viel auf die Darstellung der Leichen und Monstren gelegt. Gedärme, Blut und matschige Gliedmaßen findet man hier oft wieder. Mit der generell sehr düsteren Stimmung hält sich Richard Corben immerzu an Edgars Arbeit.

Fazitgeisterdertoten_xplorer

Wer einen kleinen Ausflug in Edgars bekannte Werke machen will, ohne sich ein Duden bereithalten zu müssen, der sollte ein Blick in Richard Corbens Interpretation der beliebtesten Werke werfen. Durch die Umsetzung in einen Comic wird der Ton ein wenig aufgelockert, die unheimlich düstere Stimmung, die seine Werke ausmachen, geht jedoch nicht verloren.

Ein Klassiker in unsere heutige Zeit umzusetzen, ohne es trashig wirken zu lassen, ist meiner Meinung nach sehr schwer. Während sich Jean-Luc Istin mit seiner Neuauflage vonDie Nacht der lebenden Toten nur ansatzweise auf das Original gestützt hat, schafft es Richard Corben, die Klassiker von Edgar Allan Poe in einem neuen Medium gekonnt zu präsentieren. Leute, die einen schönen (aber nicht unbedingt neuen) Zombie-Comic lesen möchten, machen mit der dreiteiligen Serie nichts falsch. Für Fans von klassischen Horror und Edgar Allen Poes Gedichten ist die Neuauflage sehr zu empfehlen. Und eine gute Sache hat der spezielle Zeichenstil dann doch: Meine Nase kommt mir nur noch halb so groß vor.

 

Autor – Egdar Allan Poe Künstler – Richard Corben Seiten – 216 Verlag – Splitter Verlag

 

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