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SCALEBOUND Pläne für weiblichen Hauptcharakter verworfen

von Anne Zarnecke am 1. Oktober 2015

Scalebound sieht großartig aus. Mein lang ersehnter Wunsch einen Drachen zu meinem Freundeskreis (zumindest in Videospielen) zu zählen, wurde endlich erhört. Statt dem Drachen die Seele zu rauben, oder seine Knochen als Schild zu benutzen, kämpft dieser an meiner Seite. Drew, unser weißhaariger Hauptcharakter ist dabei eine Art Medium für seinen Drachen Thuban, über ein sogenanntes Lebensband sind die beiden stets von dem Überleben des anderen abhängig.

In einem Interview mit GamesSpot, plauderte Produzent Hideki Kamiya (Bayonetta-Macher) ein wenig über die Geschichte des Xbox One Exklusivtitels und verriet Details, die mich wieder einmal an unserer Spiele-Industrie zweifeln ließen.

Die ersten Ideen zu Scalebound trug Kamiya bereits im Jahr 2006 mit sich herum. Mit vielen Ideen und dem Traum von der Realisierung, gab sich der Produzent nach der Fertigstellung des Wii U Spiels „The Wonderful 101“ noch einmal der Idee hin. Die ursprüngliche Idee war die Entwicklung für die Wii Konsole. Dort sollte man den, damals noch Dinosaurier, per Remote Control steuern und durch die Welt leiten können. Die Hauptrolle spielte dabei ein kleines Mädchen, das die volle Kontrolle über ihren schuppigen Freund haben sollte.

„I wanted to be more participatory in the fight. And I started talking with the staff about how maybe we should change this to be a swordsman or someone a little bit older.“

Während ich mir durchaus bewusst bin das der Mann, der dieses Interview gab, derselbe ist der mit Bayonetta eine der stärksten Protagonistinen erschuf, bin ich umso mehr verwundert über diese doch recht tumbe Aussage. Statt die Stärke des kleinen Mädchens anzupassen und ihr mehr Macht zu verleihen, entschied man sich für die fast identische Dante-Kopie, mit tumben Sprüchen, weißen Haaren und Kopfhörern auf den Kopf. Mega freaky, mega uncool.

Statt sich der Idee hinzugeben, eine achtjährige mit einem überdimensionalen, blutrünstigen Monster zusamm zu bringen und die beiden als Team darzustellen, entschied man sich für die klischeebeladene Variante eines männlichen 0815 Hauptcharakters. Große Worte für ein Spiel, das noch nicht einmal veröffentlicht wurde, dessen bin ich mir bewusst. Man muss sich jedoch nur einige Trailer- und Gameplay-Ausschnitte anschauen, um den Charakter von Drew einigermaßen einschätzen zu können. Und bitte kommt mir nicht mit dem Argument, eine achtjährige übermächtige Drachenreiterin wäre utopisch. Wir sprechen von Drachen, einem Fabelwesen das es eigentlich gar nicht gibt. Wisst ihr noch? Außerdem trägt der junge Mann ein Paar rote Kopfhörer, während er sich mit dutzenden Feinden duelliert, realism pls.

Mein Problem an der Aussage liegt darin, dass anscheinend nicht einmal im Ansatz darüber nachgedacht wurde, die Idee eines starken Hauptcharakters auf eine Frau zu  beziehen. Stattdessen wird mir vermittelt, ein weiblicher Charakter sei zu schwach in der Rolle eines Drachenbändigers, der mit Schwertern um sich schlägt.

Kreative Freiheit hin oder her, Hideki Kamiya träumte von einem kleinen, machtvollen Mädchen, dass zusammen mit ihrem Drachenfreund in den Kampf ziehte. Stattdessen steht nun der X-te coole, lässige Hauptcharakter vor der Tür, der für nichts weiter gut ist als schnippische Kommentare und „verrückte“ Aktionen. Meh.

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