Wie gut ist STAR WARS: BATTLEFRONT aus der Sicht eines Nicht-Fans?

Wir hegen oft eine ganz besondere Bindung zu Franchises, die uns von klein auf begleiten. Sei es Star Wars, Herr der Ringe oder auch Pokémon. Wenn die Grenzen zwischen nostalgischen Erinnerungen und der Realität verschwimmen, fällt es schwer, sachlich über ein Spiel zu sprechen. So werde ich wahrscheinlich einem Pokémon-Ableger nicht komplett negativ gegenüber stehen können aufgrund der Tatsache, dass ich so viel mit der Spiele-Reihe verbinde.

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star-wars-battlefrontWarum also einen Star Wars-Fan an diesen Test setzen? Warum nicht mal die Meinung eines Nicht-Fans hören? In diesem Test gehe ich, fernab aller nostalgischen Erinnerungen, an den eigentlichen Spielspaß von Star Wars: Battlefront heran. Das heißt natürlich auch, dass ich weder die Nähe zu den Filmen noch die Umsetzung der typischen Star Wars-Atmosphäre beurteile. Mein Star Wars-Wissen beschränkt sich lediglich auf den Fakt, dass ich eine recht gute Chewbacca-Imitation fabrizieren kann.

Schon in der ersten Spielstunde merke ich: Electronic Arts bietet mit Star Wars: Battlefront  vorwiegend einen Fan-Service. Während die Atmosphäre, die Musik und die Inszenierung der einzelnen Karten inkl. der verschiedenen Spielmodi mir förmlich Star Wars entgegenschreien, bleiben die Gameplay-Aspekte auf der Strecke. Da man jedoch nie mit dem Negativen beginnen soll, fangen wir mit den positiven Aspekten an, denn da gibt es für Fans so einige.

Der Blick auf die Karte verschlug mir beim ersten Spiel direkt die Sprache. Neben The Order: 1866 ist Star Wars: Battlefront das optisch mit Abstand am besten ausgestattete Spiel, das ich auf der PlayStation 4 bis jetzt spielen durfte. Die Explosionen der Granaten werden mit Millionen Partikeln dargestellt, glühende Laser schießen knapp am Ohr meiner Spielfigur vorbei. Ein Blick in die Ferne und wir entdecken eine Schar von Sturmtrupplern, hinter ihnen einen der gewaltigen AT-ATs. Battlefront ist bildgewaltig und überzeugt mit einer sehr starken Atmosphäre, die durch einen gut komponierten Soundtrack unterstützt wird. Viele Star Wars-Fans sollten hier bereits feuchte Augen bekommen und wäre ich ein Liebhaber des Franchise, so ginge es mir ebenso. Die wundervoll inszenierten Karten führen uns durch Waldlandschaften, vereiste Berge oder auch triste Gesteinswüsten. Um das Gefühl der alten Filme einzufangen, verschlug es das Studio DICE während der Entwicklungsarbeiten oft an die originalen Drehorte oder in Museen, die Originalstücke enthielten. Es wurde studiert, untersucht und recherchiert, um den Fans eine wahrhaft atemberaubende Kulisse zu bieten. Soweit so, gut.

force-starwars-battlefrontWoran scheitert Battlefront?

Eben weil die Zielgruppe die Fans derStar Wars-Reihe sind und diese von der Atmosphäre (zu Recht) völlig hin und weg sind, fällt es mir als Spieler ohne jegliche Bindung zum Universum leicht, mich auf die rein spielerischen Aspekte zu beziehen. Denn hier gibt es einige Knackpunkte.

Vom Entwicklerteam DICE hätte ich einen ausgereiften Shooter mit einigen taktischen Aspekten erwartet. Was mich jedoch auf den Karten erwartete, waren schreiende Ewoks, viel zu viele Laserstrahlen und eine Menge unkoordinierter Mitspieler. Während man sich an einem Blick in den Himmel satt sehen kann, sitzt der Schock umso tiefer, wenn man einen Blick auf das Schlachtfeld wirft. Die insgesamt neun verschiedenen Spielmodi versprechen eine Menge Abwechslung und Spielspaß. Nachdem ich nach und nach die verschiedenen Modi wie „Gefecht“, „Abwurfzone“ oder auch „Kampfläufer-Angriff“ anspielte ,fiel mir jedoch vor allem eins auf: Einmal im Spiel, gibt es kaum einen Unterschied zwischen den einzelnen Modi. Zwar kam mir hier und da ein Kampfläufer entgegen und ab und zu lief ich dem schwer atmenden Mann im Anzug über den Weg, aber an dem eigentlichen Spielablauf änderte das nichts. Eine taktische Vorgehensweise war mir oft nicht möglich, teilweise durch unübersichtliche Laufwege, verwirrende Spawnpunkte und Waffen, die ich quasi nie nachladen musste.

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kampfläufer-battlefront-Fazit

Was auf dem Papier so unglaublich gut klingt, scheitert an der Umsetzung. Dabei versprechen dichte Atmosphäre, anpassbare Charaktere, verschiedene, wählbare Rassen und schöne Modi doch eigentlich so viel mehr. Das Star Wars: Battlefront trotzdem ein erfolgreicher Titel wird ist unbestritten, denn eine Spielhülle mit dem beliebten Franchise als Aufdruck wird niemals scheitern. Geht man jedoch von der Perspektive des Fans weg und sieht sich das Ganze etwas objektiver an, dann entdeckt man eine schwache spielerische Umsetzung, die durch fehlende Taktik und Strukturierung sehr schnell untergeht. Ich bin gespannt, wie sich der Titel in den kommenden Monaten schlagen wird und werfe mir in der Zeit wieder meine Herr der Ringe-Trilogie in den DVD-Spieler.

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Anne ist Game Design-Student und setzt sich freiberuflich mit der Videospielkultur auseinander. Neben kleineren Indie-Titeln und psychologischen Themen hat es ihr vor allem das Sci-Fi-Genre angetan. Unter @azarnecke tweetet sie hauptsächlich Fotos von ihren Hunden.

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