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Editor's Pick

Horror ohne Jumpscares mit TOWN OF LIGHT

von Anne Zarnecke am 8. März 2016

town of light-xplorerNervenheilanstalten dienen seit Jahrzehnten als perfekte Kulisse für Horrorspiele. Da haben wir Outlast’s Mount Massive Asylum oder auch das Arkham Asylum aus der Batman-Reihe. Anstatt die Patienten von außen zu betrachten und sich vor ihnen zu fürchten, geht Entwicklerstudio LKA.IT auf eine andere Weise an das düstere Kapitel unserer Geschichte heran.

Mentale Krankheiten waren schon immer ein heikles Thema in unserer Gesellschaft. Noch heute kämpfen wir mit skeptischen Arbeitgebern und spöttischen Menschen in unserer Umgebung, denen das ganze Thema völlig skurril vorkommt. Während wir heute ein einigermaßen intaktes Gesundheitssystem für seelische Krankheiten haben, sah das Ganze in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts noch etwas anders aus.

town of light

Ingame Vs. Realität – Die Anstalt wurde detailgetreu nachgebaut

Wir spielen die 16-jährige Renee, eine ehemalige Patientin des Ospedale Psichiatrico di Volterra, eine alte Nervenheilanstalt in Italien. Nach sechs Jahren Therapie voller Qualen, sowohl psychisch als auch physisch, kehrt Renee zurück an den unheilvollen Ort und erzählt uns ihre Geschichte von Trauer und Hoffnungslosigkeit. Town of Light ist weder ein lustiges noch ein mit Jumpscare-vollgepacktes Spiel. Denn wie so oft findet man den eigentlichen Horror in der realen Welt.

Eingeschlagene Fenster, von der Wand abblätternde Farbe. Nur einige verlassene Rollstühle und verrostete Betten erinnern an die schrecklichen Geschehnisse in der Anstalt. Im Fall von Town of Light trifft Horrorgeschichte auf Realität, denn das Ospedale di Volterra ist real, ebenso wie die früheren Patienten. Knapp 6.000 Menschen wurden damals in das Hospiz eingeliefert, bis es schlussendlich im Jahre 1978 aufgrund der brutalen und unmenschlichen Methoden geschlossen wurde. Die Geschichte psychischer Erkrankungen ist eine tragische, denn in einer Zeit, in der Homosexualität als Krankheit galt, gab es keine Regeln. Menschen wurden tagelang an Betten gefesselt, ohne ihre Einwilligung brutalen Elektroschock-Therapien ausgesetzt und Lobotomien (Durchtrennung der Nervenbahnen im Hirn) waren keine Seltenheit. Für ein Gänsehaut bereitendes Horrorspiel braucht es keine schrecklichen Monster aus der Tiefe, oder blutrünstige Zombies. Oftmals reicht ein Blick in unsere Geschichtsbücher.

Renee dient als Sprachrohr für all jene, die diese schreckliche Zeit noch durchleben mussten. Im Laufe des Spiels eröffnen sich uns immer mehr Wege durch die verlassene Anstalt. Wir entdecken eingestaubte Tagebücher, niemals abgesendete Briefe der Patienten und Notizen ehemaliger Mitarbeiter. Stück für Stück setzen wir die einzelnen Teile Renee’s Vergangenheit wieder zusammen und durchleben in kurzen spielbaren Rückblicken den verstörenden Alltag des damals 16-jährigen Mädchens.

Die Geschichte die uns durch unsere Protagonistin erzählt wird, liegt klar im Vordergrund. Es gibt keine Rätsel zu lösen, Dinge zu craften oder Gegner zu bekämpfen. Spielerisch ist Town of Light ist in das schwammige Genre der „Walking Simulators“ einzuordnen. Die vom Spieler zu entdeckende Umgebung wird viel mehr als erweiterte Erzählform benutzt, anstatt mit ihr direkt zu interagieren. Am Anfang des Spiels leidet Town of Light ein wenig darunter, denn wenn die Entwickler es nicht schaffen den Spieler in die so wichtige Geschichte einzuführen, kann es schnell trist und eintönig werden. Nachdem wir jedoch mehr von Renee und dem Horror der uns umgibt erfahren, blüht das Spiel in kommenden Kapiteln auf. Mit den insgesamt 15 Kapiteln kann man sich auf eine Spielzeit von ca. 2-3 einstellen.

 

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Horror ohne Jumpscares mit TOWN OF LIGHT

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Positiv

- Atmosphärischer Soundtrack
- Gute Herangehensweise an heikles Thema
- Schöne Inszenierung der alten Anstalt

Negativ

- Sehr langsamer Start in die Geschichte in den ersten Kapiteln

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Fazit

LKA.IT leistet mit Town of Light und Renee gute Arbeit, dem Stigma des Wahnsinnigen in der Irrenanstalt zu entgehen. Stattdessen sehen wir eine Frau mit Panikattacken, Halluzinationen und Depressionen. Spiele wie Town of Light sind schwer als Spiel zu bewerten, denn der eigentliche Gameplay-Faktor bleibt im "Walking Simulators" oft außen vor. Wer Freude an Titeln wie Gone Home, Everybodys Gone to the Rapture oder auch The Park hat, der sollte definitiv ein Auge auf Town of Light's atmosphärischen Horror und die gut inszenierte Geschichte werfen.

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Irgendwas mit Videospielen, Musik und Comics. Bärte sind die besseren Menschen.
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